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Der Krimi - Fortsetzung folgt ...

Etliche von Euch haben mir gesagt oder geschrieben, meinen Blog zu lesen, sei oftmals ein bisschen wie ein Krimi. Hier ist sie nun, die Fortsetzung des Krimis über den technischen Totalschaden des 2-Tonnen Lastwagens (Hino), über den ich im letzten Blog berichtet habe: Kurz nach dem Verschicken des letzten Blogs habe ich erfahren, dass Brian Mumba, der Darlehensnehmer für den Hino, in Polizeigewahrsam genommen worden ist und jetzt für 2 Jahre in der Kiste ist. Wie bitte? Habe ich da richtig gehört? Nicht eigentlich er sollte doch im Kittchen sein, sondern der fehlbare Fahrer des grossen Volvo Lastwagens, der den Hino abgeschossen hat. Nun hat sich herausgestellt, dass Brian Mumba auf dem Gelände der Garage, wo der Hino eine wahrlich langsame "Wiederauferstehung" genoss, in der Nacht aus einem anderen Fahrzeug einen Kühler geklaut und diesen bei einem Ersatzteilhändler verflüssigt hat, um sich selbst ein bisschen "andere Flüssigkeit" zu kaufen . Nun musste ich meinen Plan ändern. Ich hatte eigentlich geplant, für Brian Mumba eine Vertragsänderung mit einer Abzahlungserstreckung zu machen, weil der Hino seit dem Abschuss rund 2 Monate (!) zur Reparatur in der Garage war und in dieser Zeit kein Fruchttransport gemacht werden konnte. Weil Brian jetzt aber für zwei Jahre ausfällt, habe ich stattdessen im Busch seinen Vater ausfindig gemacht und ihm angeboten, dass er den Vertrag übernehmen kann. Unser Standardvertrag erlaubt, dass die Familie einen Darlehensvertrag übernimmt, wenn der Darlehensnehmer nicht mehr fähig ist, seiner Tätigkeit nachzugehen. Vor etwa zwei Wochen haben wir diesen neuen Vertrag mit dem Vater gemacht. Darin habe ich unter anderem darauf bestanden, dass das Fahrzeug jetzt immer auf dem neu umzäunten Gelände von UMINO geparkt wird, wenn es nicht gerade für einen Transport unterwegs ist. Der Hino ist jetzt aus Petauke zurück. Damit wäre zumindest mal sichergestellt, dass er des Nachts nicht wieder durch ein anderes Fahrzeug angefahren wird . ..................................................................................................................................... Nach der Rückführung haben wir den Lastwagen einer genaueren Prüfung unterzogen. Auf dem Bild unten sieht der Hino zwar wieder fast so aus, wie vor dem Unfall. Aber der Eindruck täuscht. Wir haben eine Liste mit ganzen 12 Punkten erstellt, die noch repariert werden müssen, damit der Lastwagen wieder in etwa so funktionstüchtig ist, wie vor dem Unfall: ..................................................................................................................................... Auf Basis des Polizeireports, den ich mir beim meinem zweiten Besuch in Petauke auf dem Polizeiposten besorgt habe, hatte ich ein genügend starkes Druckmittel in der Hand, um den Eigentümer des Volvo Lastwagens dazu zu "ermuntern", am vergangenen Samstag im Büro von UMINO vorbeizukommen Wir haben einen Vertrag unterzeichnet, aufgrund dessen er sich verpflichtet hat, innerhalb der nächsten drei Wochen alle nötigen Ersatzteile zu besorgen und die Reparatur dann in einer Garage in Lusaka vornehmen zu lassen. Das nachfolgende Bild zeigt die "Akteure" nach erfolgter Vertragsunterzeichnung. Der Gesichtsausdruck zeigt möglicherweise die Gefühlslage der Personen: Stehend von links ist der leicht lächelnde Allison Mumba (der Vater von Brian Mumba als neuen Darlehensnehmer), dann kommt der ziemlich säuerlich dreinblickende Kelvin Chipasha (Eigentümer des Volvo) mit dem unterzeichneten Vertrag in Händen, dann der voll grinsende Vertreter von UMINO und unten sitzend Leonard Mpanshya (richtig, er heisst so, wie der Ort, wo wir wohnen, weil er aus der sogenannten "royal family" der Chieftainess stammt). Leonard ist der Fahrer des Hino. .................................................................................................................................... Ihr könnt Euch vorstellen, dass ich wegen des Verlaufs des Darlehens mit dem Hino-Lastwagen bei der Vergabe grösserer Darlehen vorsichtiger geworden bin. Aber unser grosszügiger Geldgeber im Hintergrund hat mich ermutigt, weiterhin fallweise so grosse Darlehen zu wagen. Gesagt, getan. Hier auf dem Bild seht Ihr das Resultat eines zweiten solchen Darlehens. Dieses Mal ist es ein 5-Tonnen Mitsubishi Truck: .................................................................................................................................... Aber in dieses Darlehen sind natürlich etliche Lehren aus dem ersten Darlehen eingeflossen: Neben verschiedenen anderen Punkten habe ich als Sicherheit neben dem Truck selbst noch 3 weitere Personenwagen aus der Familie des Darlehensnehmers in den Vertrag aufgenommen. Weiter ist das Fahrzeug jetzt während der gesamten Darlehensdauer von 3 Jahren mit einer Vollkaskoversicherung abgedeckt. Ihr fragt Euch spätestens jetzt wahrscheinlich, wieso ich so grosse Darlehen vergebe. UMINO ist doch eine Mikro- und keine Makrokreditinstitution! Wir wollen natürlich in der Essenz eine Mikrokreditorganisation sein und auch immer bleiben, um möglichst vielen Kleinbauern und Kleinunternehmern unter die Arme zu greifen. Aber ein paar wenige, so grosse Darlehen sind für UMINO im wahrsten Sinn des Wortes Geld wert. Der Kreditabschluss mit dem Mitsubishi-Truck finanziert mir die Kosten für einen Loan officer während drei Jahren. Das heisst, ein paar so grosse Darlehen geben uns finanziell mehr Luft, um uns dann mit genügend Zeitaufwand auch den Mikrokrediten zu widmen. .................................................................................................................................... Nun noch eine kleine Statistik: Per dato haben wir seit dem Start von Mitte August letzten Jahres 91 Darlehen über ein Gesamtvolumen von 705'000 Kwacha vergeben (ca. 70'000 CHF). Ein Darlehen ist schon voll zurückbezahlt worden. Das äusserst Erfreuliche ist, dass mit Ausnahme von drei Darlehensnehmern, die nicht immer zum abgemachten Zeitpunkt bezahlt haben, alle anderen Darlehensnehmer ihre Tranche rechtzeitig und etliche sogar vorzeitig (!) bezahlt haben. .................................................................................................................................... In meinem November-Blog habe ich berichtet, dass wir begonnen haben, das Sicherheitskonzept von UMINO zu verbessern. Seit Mitte Dezember haben wir sieben Tage pro Woche eine Nachtwache von 17.00 abends bis 08.00. In ein paar Tagen ist jetzt auch die Umzäunung fertiggestellt. Das erste der beiden nachfolgenden Bilder zeigt die bald fertige Umzäunung und das zweite zeigt leere Schnapsflaschen (ja, es sind ein paar von diesen Dingern...). Diese werden zu Scherben geschlagen, welche dann auf den gemauerten Pfeilern einbetoniert werden, um es für Einbrecher ein bisschen sportlicher zu machen. Hinter dem Bürogebäude wird jetzt noch ein Hundezwinger erstellt. Sobald dieser fertig ist, werden wir uns noch zwei Hunde besorgen, die bell- und wenn nötig beisskräftig die Nachtwache unterstützen sollen: .................................................................................................................................... .................................................................................................................................... Das letzte Bild zeigt Mickson, den Assistenten, und mich als Termitenjäger. Eine der Türen des Bürogebäudes haben wir seit längerer Zeit nicht mehr geöffnet. Als wir das wieder mal gemacht haben, mussten wir feststellen,, dass da kleine Einbrecher am Werk waren. Dagegen nützt auch das beste Sicherheitskonzept nichts. Was Ihr auf dem Bild auf dem Boden seht, das sind Fressspuren der Termiten am Holz der Eingangstüre. Ich habe mich dann mit Hilfe von Mickson als Chirurg mit Spritze, die eine grauslig riechende Flüssigkeit enthielt, und mit Gummihandschuhen betätigt. Die Botschaft an die Termiten war: Kommt hier niemals mehr rein! Und siehe da, die kleinen Tierchen haben die Sprache verstanden .

11.2.18 18:47, kommentieren

Rückkehr aus der Schweiz...

Nach rund einem Monat in der Schweiz sind Lis und ich am 13. Januar wieder in Lusaka gelandet. Die vorangegangenen vier Wochen waren eine wundervolle Zeit für uns. Wir haben es in vollen Zügen genossen, wieder die Liebsten unserer Familie in die Arme schliessen zu können, traditionell Weihnachten zu feiern und natürlich abzurauschen in den Schnee nach Bürchen. Auch haben wir etliche unserer Freunde treffen können – leider bei Weitem nicht alle! Aber unser Programm war schon so eigentlich übervoll. ........................................................................................................................................ Der Abflug aus der Schweiz und dann die Fahrt am vergangenen Montag wieder ins Büro ist mich sehr schwer angekommen. Mich vom Luxus in der Schweiz, dem dolce far niente und vom grossen Teil meiner Familie wieder zu lösen hat mich wahrlich Überwindung gekostet. Bei der ersten Fahrt ins Büro musste ich das Gaspedal meines Autos mit ganzer Kraft runterdrücken, dass ich diese 15 Kilometer geschafft habe. Offensichtlich geht der Tanz zwischen zwei vollständig verschiedenen Welten nicht so einfach. Die Seele ist manchmal ein bisschen verwirrt, auf welches Leben sie sich jetzt einstellen soll. Doch spätestens am Mittwoch hat sie dann auf der afrikanischen Erde wieder Tritt gefasst . ....................................................................................................................................... Ihr könnt Euch vorstellen, dass ich trotz der Gaspedalanstrengung sehr gespannt war, was mich im Büro nach einem Monat Abwesenheit erwartet. Elvis, mein Loan Officer, hat mich wohl ein paar Mal per WhatsApp kurz informiert, dass alles im grünen Bereich sei. Aber ich habe mich natürlich schon gefragt, ob dies auch wirklich wahr ist. Das Positive vorweg: Im üblichen Morgenbriefing hat mich Elvis informiert, dass alle während meiner Abwesenheit 24 fälligen Tranchenzahlungen gemacht worden sind, von zwei Ausnahmen abgesehen; eine kleinere Ausnahme, dass die entsprechende Zahlung mit zwei Tagen Verspätung gekommen ist und dann die grosse Ausnahme, bei dem mir aber alle Alarmglocken zu läuten begonnen haben. Ihr erinnert Euch, dass ich weiter unten ein Projekt beschrieben habe, in dem wir ein unüblich grosses Darlehen an einen jungen Mangofarmer gegeben haben, um damit einen Occasions-2-Tonnen-Kleinlastwagen zu kaufen. Was ich Euch bezüglich dieses Darlehens noch nicht mitgeteilt habe, ist, dass dieser Kleinlastwagen fünf Tage vor meinem Abflug von Mitte Dezember in die Schweiz des Nachts von einem grossen Volvo-Lastwagen angefahren worden ist. Der Darlehensnehmer Brian Mumba hat uns damals informiert, dass es nur ein kleiner Schaden ist, dass der Unfall nicht seine Schuld sei und dass der Lastwagen auf Kosten des Inhabers des Volvos bald repariert sein wird. Danach könne er sofort wieder seine Mangotransporte und –verkäufe aufnehmen. .................................................................................................................................... Natürlich habe ich angenommen, dass dieser Lastwagen nach meiner Rückkehr wieder voll in Betrieb ist. Dies war aber nicht der Fall! ... und deshalb haben meine Alarmglocken zu läuten begonnen. Ich habe beschlossen, am folgenden Tag sofort an den Ort zu fahren, wo sich der Kleinlastwagen immer noch in Reparatur befindet. Dieser Fall hat eigentlich noch viel mehr Facetten, aber diese hier alle zu schildern, würde den Rahmen dieses Blogs sprengen. Am Dienstag früh bin ich also zusammen mit Elvis nach Petauke gefahren (ca. 250 östlich vom Standort unseres Büros – richtig, auch das war komisch, dass Brian Mumba sich mit seinem Lastwagen so weit von unserem Standort entfernt hat). In Petauke sind wir dann direkt zur „Garage“ gefahren (beim Wort „Garage“ stellt ihr Euch am Besten einen Hinterhof vor, wo ein paar Autowracks rumstehen). Was ich dort angetroffen habe, hat mich fast aus den Socken und dann mal etwa 15 Minuten aus der Balance geworfen (wobei aus den Socken hätte es mich gar nicht werfen können, weil ich hier nie welche trage). Wir haben nicht ein Fahrzeug mit einem kleinen Schaden angetroffen, sondern – aus meiner Schweizer Sicht – einen veritablen Totalschaden. Urteilt selbst, hier ein Bild „Vorher“ (mit dem noch glücklich grinsenden Brian Mumba in der grünen Jacke) ...und "Nachher".... Als mein Hirn nach dem ersten Schock wieder zu arbeiten begonnen hat, wurde mir klar, dass es jetzt die einzige Möglichkeit ist, diesen Lastwagen möglichst rasch wieder „strassentauglich“ (gemessen an sambischen Massstäben) repariert zurückzuerhalten. Damit könnte Brian Mumba mit diesem Wrack dann die nächsten noch rund zwölf Monate seine Früchtetransporte erledigen und sein Darlehen schlussendlich doch noch voll zurückzahlen. Als Nächstes haben wir an diesem Tag den fehlbaren Fahrer des Volvos ausfindig gemacht und ihn interviewt, mit dem Ziel, dass er uns bestätigt, dass der Fehler auf seiner Seite war. Das ist uns voll gelungen: Elvis hat ihn interviewt und ich habe den Fahrer während des Videos unbemerkt auf Video aufgenommen, auf dem er gesteht, dass er wegen „gefährlichen Fahrens“ gebüsst worden war. Dann sind wir zur Polizei gefahren und haben dort noch einen offiziellen Polizeirapport angefordert (hat natürlich was gekostet ), damit ich was Offizielles in der Hand hätte, um gegebenenfalls mit dem Eigentümer des Volvos in Lusaka zu einem späteren Zeitpunkt nachzuverhandeln. Der Eigentümer der Reparaturwerkstätte hat versprochen, dass Brian Mumba den reparierten Lastwagen am Mittwoch von kommender Woche abholen kann. Unter der Annahme, dass dies der Fall sein wird, habe ich ihn auf nächsten Donnerstag morgen mitsamt seinen drei Bürgen (jeder Darlehensnehmer muss bei Vertragsabschluss zwei oder drei Bürgen bringen) ins Büro bestellt. Bis dahin werde ich einen Refinanzierungsplan ausarbeiten, weil Brian Mumba wegen des Fahrzeugausfalls ja in Zahlungsrückstand geraten ist. Neben dem neuen Vertrag wird Brian Mumba dann ebenfalls weitere, relativ restriktive Verhaltensrichtlinien unterschreiben müssen (wie z.B. keine Nachtfahrten mehr), die sicherstellen sollen, dass er keinen, weiteren „Mist“ mehr macht. ....................................................................................................................................... Ich habe mal längere Zeit für ein japanisches Unternehmen gearbeitet und dort gelernt, dass eine Krise auch eine Chance ist. Sinnigerweise hat die japanische Schrift hat für beide Wörter nur ein Zeichen. Die obige Krise hat auch ihr Gutes in dem Sinne, dass ich jetzt die Bedingungen für mögliche weitere Darlehen für Fahrzeuge in verschiedener Hinsicht verschärft habe – unter anderem ist ab jetzt eine Vollkaskoversicherung, obwohl sehr teuer, ein zwingender Vertragsbestandteil. ....................................................................................................................................... Nun noch etwas weiteres Positives: Am 1. Februar wird der zweite Loan Officer, David Lufunte, die Arbeit aufnehmen. Hier ein Bild des „Starterkits“ das schon bereit liegt ....Das Bild ist ja sicher selbstsprechend. Dazu aber noch ein paar Zusatzbemerkungen: Die grosse schwarze Mappe ist für die Feldbesuche. Sie enthält einen kleinen Taschenrechner und ist vor allem auch gut für den Transport und das Ausfüllen der detaillierten Analyseformulare. Rechts unten im Bild erkennt ihr ein Handy in einer braunen Schutzhülle. Dies ist ein Occasions-iPhone4, das ich bei meinem letzten Schweizaufenthalt für 40 CHF auf ricardo.ch erworben habe. So ein Gerät ist ein sehr wichtiges Arbeitsinstrument für einen Loan Officer. Neben den üblichen Funktionen eines Smartphones hat es auch eine Gratis-App, das ich vom AppStore runtergeladen habe. Damit bestimmt der Loan Officer beim ersten Vorort-Besuch bei einem Kunden die genauen GPS-Koordinaten. Dies ermöglicht uns, dass wir diesen Kunden jederzeit im Busch wieder ausfindig machen können, vor allem in Fällen, wenn z.B. ein Loan Officer kündigen würde und ein anderer Kollege seine Darlehen übernehmen müsste. Schlussendlich, was nicht auf dem Bild ist, aber auch zum „Starterkit“ gehört: 1 Laptop (vor allem wichtig, um auf Excel eine dynamische Besuchsplanung zu machen), 1 Motorrad (ich habe letzten Donnerstag in Lusaka ein neues gekauft) und solide Motorradstiefel (wichtig zum Schutz der Gelenke im Falle eines Sturzes in unwegsamem Gelände). Den Laptop habe ich dank guten Geistern gratis auch gerade aus der Schweiz mitgebracht: Mein Bruder Beni hat mir so ein ausrangiertes Teil besorgt und Sulamith, der Freund meiner Tochter Julia, hat dieses dann mit Gratissoftware geladen („Ubuntu“ als Betriebssystem und „LibreOffice“ als Office-Paket). Herzlichen Dank nochmals an Euch beide! Übrigens: Sinnigerweise ist „Ubuntu“ ein Wort aus der Zulu-Sprache und heisst „Menschlichkeit“ .

11.2.18 17:53, kommentieren