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Einblick in das Innenleben eines Top-Bankers

Nach den vielen Zahlen und Fakten in den letzten Blogs möchte ich in diesem Beitrag mal ein bisschen mein Inneres nach aussen kehren. Neben all dem Faktischen gibt es natürlich auch das Innenleben eines Top-Bankers (bin ich doch, oder, ich stehe ja an der "Spitze" meiner Organisation ). Ihr könnt Euch vielleicht vorstellen, dass sich meine Gedanken im Moment fast Tag und Nacht um UMINO drehen. Bei etwas, was man von Grund auf neu startet, gibt es so viele Schrauben und Schräubchen zu berücksichtigen, dass dieser konstante innere Monolog über einzelne Projekte und auch Prozessschritte dieser neuen Organisation eigentlich nie aufhört – auch nicht aufhören darf. Dienst nach Vorschrift wäre hier ein schlechter Ansatz. Auch im Halbschlaf kommen mir manchmal Gedanken, und vielmals morgens unter der Dusche, wenn mein Geist nach dem ersten Kaffee am klarsten und frischesten ist und sich die Gedanken über Nacht auch ein bisschen „gebüschelt“ haben. .................................................................................................................................... Fühle ich mich gut bei dieser ganzen Beanspruchung? Ein klares „Ja“, es macht Spass und ist hochinteressant. Auf der anderen Seite ist es natürlich auch so, dass ich mich im Privaten möglichst gegenüber dem Geschäftlichen abgrenzen muss, damit ich nicht einen Strudel gerate. Das ist vielleicht ein bisschen so, wie bei einem allgemeinpraktizierenden Landarzt (gell, Beni...), der zeitweise sieben Tage die Woche und manchmal auch nachts im Einsatz ist. Morgen Montag ist zum Beispiel wieder so ein spezieller Tag, der in meiner Gemütslage dieses ganze Wochenende immer wieder anklingt. Es ist die erste richtige Nagelprobe, ob die ersten Rückzahlungsraten termingerecht zu uns ins Büro gebracht werden. Morgen sollten vier Darlehensnehmer ihre erste Monatsrate abliefern. Ich werde Euch im nächsten Blog darüber berichten, wie das abgelaufen ist. .................................................................................................................................... Nun noch ein paar Neuigkeiten und Gedankensplitter: .................................................................................................................................... Vor rund zwei Wochen ist eine kriminelle Bande hier in Mpanshya in die Gebäulichkeiten der Krankenpflegerschule eingebrochen und wollte den Safe aufbrechen. Zum guten Glück ist ihnen das nicht gelungen und die Nachtwache wurde dabei auch nicht verletzt, sondern nur gefesselt. Irgendwie muss diese Bande Kunde davon bekommen haben, dass in diesem Safe Geld aufbewahrt wird. Sie haben offensichtlich auch nach dem oder der „Muzungu“ (weisser Mann oder Frau) gefragt, der/die dieses Geld verwaltet. Mit dieser Muzungu ist höchstwahrscheinlich Kathrin Furrer gemeint. Dieser Einbruch war ein klarer Weckruf für mich! Es ist eigentlich klar, jetzt wo wir begonnen haben, Darlehen auszuzahlen, ist es nicht eine Frage des „ob“, sondern nur des „wann“, bis man auch probiert, unser Geld zu stehlen. In einer Sofortmassnahme habe ich angeordnet, dass tagsüber das Eingangsgitter immer geschlossen bleibt und wir unsere Kunden einzeln raus- und reinlassen. Für die Nacht haben wir folgendes Sicherheitskonzept definiert: Maschendrahtzahn kombiniert mit Stacheldraht rund ums Gebäude, zwei Hunde innerhalb des Zauns und eine Nachtwache. Diese Nachtwache würde bei verdächtigen Geräuschen sofort die Polizei und auch das Militär informieren. Mit dem Polizeichef hier vor Ort habe ich mich schon getroffen und dem Kommandanten des hier stationierten Militärlagers werde ich nächstens meine Aufwartung machen. Am vergangenen Freitag habe ich dann auch zwei Vertreter der Sicherheitsfirma „Headsup“ bei uns im Büro empfangen, die mir voraussichtlich bis Mitte Dezember einen ausgebildeten Nachtwächter besorgen. Hier das Bild mit den beiden Headsup-Leuten, Elvis Lubasi und mir (der zweite von links ist Mr. Arthur, der mit schusssicherer Weste kam (!), und der Mann rechts aussen ist ein Teilhaber von „Headsup“): .................................................................................................................................... Jetzt noch eine interessante Begebenheit, die ich vor etwa einer Woche hatte: Auf der Rückfahrt von einem Meeting in Lusaka nach Mpanshya bin ich in eine Geschwindigkeitskontrolle geraten. Zuerst hat sich das übliche Prozedere abgespielt. Der Polizeibeamte, der mich aufgehalten hat, rollte bedrohlich mit seinen Augen und forderte mich dann auf, zu seinem Vorgesetzten zu gehen, der wie üblich in einem in der Nähe geparkten Polizeifahrzeug sass. Auch das Bild, das sich mir da bot, war sehr üblich. Dieses Vorgesetztenexemplar war wie alle anderen, die ich bisher erlebt habe, sehr, sehr dick und war gerade dabei, noch die Reste einer saftigen Tomate zu verdrücken. Er hat mir eröffnet, dass ich die üblichen 300 Kwacha für die Geschwindigkeitsübertretung bezahlen muss. Dann hat er mich aber noch gefragt, was ich in Mpanshya eigentlich mache und ob ich Arzt sei. Ich habe ihm gesagt, dass ich eine Mikrofinanzorganisation leite. Und dann wurde es unüblich. Der Polizist hat mich dann sehr gelobt, dass ich etwas sehr Gutes für dieses arme Land mache. Deshalb erlasse er mir die Hälfte der Busse und ich müsse ihm nur 150 Kwacha bezahlen. Grosszügig, heh, oder merkt ihr den Trick?! Bei der vollen Busse von 300 Kwacha hätte er einen Bussenzettel ausstellen und dieses Geld dann an den Staat hätte abliefern müssen. Das nennt man doch eine sambische win-win Situation! Ein bisschen ernsthafter: Nachdem ich wieder abgefahren bin, habe ich mich schon gefragt, ob ich diesen kleinen Korruptionsfall hätte akzeptieren dürfen. Die beiden Alternativen hätten wohl darin bestanden, dem Polizisten entweder einen vollen Erlass der Busse abzuringen (weil ich doch oh so viel für sein Land leiste) oder dann auf dem Bezahlen der vollen Busse zu bestehen. Im letzteren Fall hätte er ob solcher Dummheit eines Muzungus innerlich wohl ziemlich den Kopf geschüttelt und dies ein eventuelles Vorurteil auf seiner Seite möglicherweise weiter bestärkt, dass die weisshäutigen Wesen ziemlich komisch und eigentlich dumm sind. Jetzt kommen „die“ aus ihrem Heimatland mit allem Luxus hierher, um freiwillig in einer einfachen Hütte zu leben und bestehen dann erst noch darauf den vollen Betrag einer Busse zu bezahlen. .................................................................................................................................... Bis letzten Freitag habe ich 35 Darlehen über einen Gesamtbetrag von 285'000 Kwacha (rund 28'500 CHF) ausbezahlt. Da waren zum Teil grössere Brocken darunter, wie zum Beispiel das Darlehen für einen 2-Tonnen-Lastwagen an einen Mangofarmer (siehe auch letzten Blog und dann auch die Fotos unten) über 130'000 Kwacha oder das Darlehen an einen Automechaniker, der für 30'000 Kwacha (3'000 CHF) ein Autowrack kauft, dieses dann wiederherstellt und innerhalb von drei Monaten mit hoffentlich gutem Gewinn weiterverkauft. Vor allem bei diesen grösseren Darlehen habe ich mich in der Vergangenheit bei der manuellen Ausgabe der Banknoten (die grösste Note ist nur 100 Kwacha!) manchmal verzählt, d.h. immer zu viel ausgegeben (weil die Noten manchmal so alt sind, dass sie richtig aneinanderkleben). Deshalb habe ich in meinem bevorzugten Chinesenshop in Lusaka für 1'200 Kwacha ein professionelles „Geldzählmaschinchen“ gekauft. Jetzt huschen die Noten wie das „Bisiwätter“ durch die Maschine, dass es eine Freude ist, und ich muss den fehlenden Betrag nicht immer wieder selbst aus dem eigenen Sack berappen. .................................................................................................................................... Hier ein Bild des 2-Tonnen-Lastwagens des Mangofarmers „vorher“ und am Tag danach, als der Farmer wieder auf dem Weg nach Lusaka nochmals voll beladen mit Mangos bei unserem Büro vorbeigefahren ist. Der Lastwagen war übrigens nach einhelliger Übereinstimmung der involvierten Sambier ein sehr guter Kauf. Er war ziemlich "neu" (Jahrgang 2003 und hatte „nur“ 575'000 km auf dem Tacho...). .................................................................................................................................... Noch ein Schmankerl, das ich heute doch auch noch loswerden möchte. Letzthin kam ein aktueller Darlehensnehmer wieder in unserem Büro vorbei. Ich habe ihn dann gefragt, ob der das SMS erhalten habe, das ihm UMINO vor zwei Arbeitstagen geschickt hat. Er hat die Frage verneint und dann angefügt, dass dies in diesen Tagen jetzt leider oft vorkommt, dass das Telefonnetz so überlastet sei, dass SMS teilweise nicht ankommen. Im ganzen Land fänden aktuell Schulabschlussprüfungen statt. Die Schüler würden sich dabei während den Prüfungen – anstelle von Spicks wie wir früher - gegenseitig per SMS aushelfen. „Se non e vero e ben trovato“!

19.11.17 14:34, kommentieren

UMINO - kleine Statistik und andere Schmankerl

Seit der Auszahlung des ersten Darlehens am 13. Oktober sind jetzt 3 Wochen vergangen und wir haben seither weiter wacker daran gearbeitet, das uns zur Verfügung stehende Geld in sinnvolle Projekte zu investieren! Hier eine kleine Statistik: .................................................................................................................................... • 33 Darlehen sind genehmigt (davon 18 Business Darlehen und 15 Farm Darlehen) und 22 ausbezahlt worden (14 Business und 8 Farm Darlehen) ..................................................................................................................................... • Das Gesamtvolumen der genehmigten Darlehen beträgt 285'000 Kwacha (rund 28'500 CHF) und dasjenige der ausbezahlten 222'000 Kwacha (22'200 CHF) ..................................................................................................................................... • Durchschnittswert der ausbezahlten Darlehen 9'600 Kwacha (960 CHF) ..................................................................................................................................... • Von den 22 ausbezahlten Darlehen, haben wir 7 an Frauen und 15 an Männer vergeben ..................................................................................................................................... • Auf den ausbezahlten Darlehen werden wir einen Zinsertrag von 46'000 Kwacha realisieren (4'600 CHF), was uns schon rund einen Viertel der geplanten Betriebskosten im ersten Jahr abdeckt 😀 ... ...................................................................................................................................... • Durchschnittlich haben wir bis jetzt rund 45 Tage Durchlaufzeit für ein Darlehen gebraucht – gemessen an der Zeit zwischen Antrag und Genehmigung. Diese Zeit möchte ich in der Zukunft auf maximal 5 Tage drücken. ..................................................................................................................................... Die erste Nagelprobe, wie vertragstreu unsere Darlehensnehmer sind, hat schon stattgefunden. Das Resultat: Ziemlich „durchzogen“, oder positiv ausgedrückt - da gibt es noch erhebliches Verbesserungspotential ..................................................................................................................................... Worum geht es? Sobald der Darlehensvertrag im Beisein der zwei oder drei Bürgen unterschrieben ist, zahlen wir das Darlehen dem Darlehensnehmer bar auf die Hand. Um möglichst sicherzustellen, dass dieses Geld nicht relativ rasch in „Hochprozentiges“ oder andere Lustbarkeiten fliesst, müssen sich die Darlehensnehmer verpflichten, die im Darlehensvertrag im Details aufgelisteten Positionen an dem der Auszahlung folgenden Arbeitstag zu kaufen und uns wiederum am folgenden Arbeitstag die Kaufbelege zu präsentieren. Um den „Sicherheitsloop“ möglichst vollständig zu schliessen, stattet der Loan officer dem Darlehensnehmer dann innert 3 Arbeitstagen auch einen Vor-Ort-Besuch ab, um zu checken, ob die Ware auch tatsächlich vorhanden ist. .................................................................................................................................... Nun bist Du sicher gespannt, wie das Resultat der 2 ersten Tage ausfiel, an denen die Belege hätten präsentiert werden sollen. .................................................................................................................................... Am ersten Tag sind von 6 Darlehensnehmern 2 mit vollständigen Belegen aufgekreuzt, 1 Darlehensnehmer mit unvollständigen Belegen und 3 sind gar nicht erschienen. Am zweiten Arbeitstag ist von 4 Darlehensnehmern 1 Darlehensnehmer gekommen. Die präsentierten Belege waren aber 278 Kwacha unter dem ausbezahlten Betrag von 3'283 Kwacha (diesen Restbetrag habe ich dann in den folgenden Tagen bei einem Vor-Ort Besuch eintreiben müssen). Die restlichen 3 Darlehensnehmer sind nicht erschienen. Bei einer dieser dreien (eine Darlehensnehmerin) bin ich dann auch Vor-Ort erschienen und habe die Musikanlage konfisziert, die als Sicherheit im Darlehensvertrag aufgeführt war (diese Anlage habe ich dann kurz darauf wieder rausgegeben, als die Darlehensnehmerin die Belege präsentiert hat) ..................................................................................................................................... Das Ganze war schon nicht „ganz ohne“, aber tönt jetzt vielleicht auch ein bisschen dramatischer als es wirklich war. Die Leute hier sind sich solche verbindlichen Prozesse eben überhaupt noch nicht gewohnt und brauchen vermehrt Anleitung, dass sie lernen, dass Termine in so einem Vertrag einfach eingehalten werden müssen! Auch habe ich sofort verschiedene Korrekturmassnahmen eingeführt, um möglichst sicherzustellen, dass die Termine für die Belegpräsentation und für die Rückzahlungen in Zukunft möglichst eingehalten werden. Unter anderem geben wir jetzt neu mit dem Vertrag auch einen Zweijahreskalender auf einem A4-Blatt ab, auf dem die Termine mit Leuchtfarbe angestrichen sind. .................................................................................................................................... Jetzt noch ein bisschen Details zu zwei Darlehensanträgen: .................................................................................................................................... Der eine Antrag ist von einem jungen Mangofarmer, Brian Mumba, gestellt worden. Er hat beantragt, dass ihm UMINO für rund ein Jahr einen Kleinlastwagen finanziert, mit dem er die Mangos selbst nach Lusaka transportieren und dort zu x-fach höheren Preisen verkaufen kann, als das hier lokal auf dem Land möglich ist. Die ganze Abklärung und die schlussendliche Darlehenskonstruktion war ziemlich aufwändig, aber auch sehr spannend. Unter Anderem habe ich das „Darlehen“ in 3 Teildarlehen mit unterschiedlicher Laufzeit aufgeteilt, um der Mangosaison im November/Dezember 2017 und dann wieder im November/Dezember 2018 Rechnung zu tragen. Seit vergangenem Freitag ist Hr. Mumba stolzer Besitzer eines Kleinlastwagens, der in der jetzt kommenden Woche auf seinen Namen registriert und mit allen notwendigen Papieren und der Versicherung ausgestattet wird. Am 13. November sollte er die erste Mangolieferung machen können. Jetzt fragst Du Dich wahrscheinlich, ob dieser Lastwagen noch in den Begriff „Kleinkredit“ passt. Nein, tut er natürlich nicht mehr (der Lastwagen kostet fast 13'000 CH) Aber ich beabsichtige, solche „Gelegenheiten“ auch in Zukunft als Ausnahme zu genehmigen, weil solche grösseren Darlehen für UMINO sehr profitabel sind und mithelfen, die kleinen Darlehen quasi mitzufinanzieren. Bei kleinen Darlehen haben wir einen verhältnismässig viel grösseren Aufwand für die ganze Abklärung bis wir das Darlehen bewilligen können und deshalb sind diese viel weniger profitabel für uns. .................................................................................................................................... Der andere Antrag wurde von einem eher ungepflegt wirkenden Mann gestellt. Er wollte einen Kredit über rund 600 CHF, um eine Basismetzgerausrüstung (Waage, Messer etc.) sowie eine Kuh zu kaufen. Das Schlachten der Kuh hätte er auf traditionelle Weise unter freiem Himmel gemacht und das Fleisch dann innert 1-2 Tagen verkaufen müssen. An sich eine gute Geschäftsidee, die ich gern unterstützt hätte - umso mehr, weil Fleisch hier in dieser armen Gegend eher ein rares Gut und wichtig für die gesunde Ernährung der Bevölkerung ist (Proteine). Da dieser Mann aber diesen ganzen Ablauf (Schlachten einer ganzen Kuh und dann innert kurzer Zeit verkaufen des Fleisches) noch nie so gemacht hat, ist das Risiko dieses neuen Geschäftes natürlich höher, als wenn er das alles schon mindestens einmal gemacht hätte. Ich habe dem Darlehenssteller dann angeboten, dass wir für rund 60 Franken die Metzgerbasisausrüstung finanzieren würden, er aber dann mit einem Viehfarmer direkt einen Vertrag machen soll, dass er ihm den Wert der Kuh dann nach dem Verkauf des Fleisches zurückerstattet. Und siehe da: Dieser Mann ist seither nicht mehr in meinem Büro aufgetaucht ........................................................................................................................................ Zum Abschluss dieses Blogs nun doch noch ein Föteli – es hat nichts mit UMINO zu tun, sondern zeigt einfach zwei von Benjamin Furrer wunderschön geschlachtete Schweinsrippenhälften, die wir gestern Abend zu sechst fast vollständig vertilgt haben. Dieses Schwein war himmlisch gut! .... ein sorry an alle Vegetarier 😀...

5.11.17 10:21, kommentieren