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Rückkehr aus der Schweiz...

Nach rund einem Monat in der Schweiz sind Lis und ich am 13. Januar wieder in Lusaka gelandet. Die vorangegangenen vier Wochen waren eine wundervolle Zeit für uns. Wir haben es in vollen Zügen genossen, wieder die Liebsten unserer Familie in die Arme schliessen zu können, traditionell Weihnachten zu feiern und natürlich abzurauschen in den Schnee nach Bürchen. Auch haben wir etliche unserer Freunde treffen können – leider bei Weitem nicht alle! Aber unser Programm war schon so eigentlich übervoll. ........................................................................................................................................ Der Abflug aus der Schweiz und dann die Fahrt am vergangenen Montag wieder ins Büro ist mich sehr schwer angekommen. Mich vom Luxus in der Schweiz, dem dolce far niente und vom grossen Teil meiner Familie wieder zu lösen hat mich wahrlich Überwindung gekostet. Bei der ersten Fahrt ins Büro musste ich das Gaspedal meines Autos mit ganzer Kraft runterdrücken, dass ich diese 15 Kilometer geschafft habe. Offensichtlich geht der Tanz zwischen zwei vollständig verschiedenen Welten nicht so einfach. Die Seele ist manchmal ein bisschen verwirrt, auf welches Leben sie sich jetzt einstellen soll. Doch spätestens am Mittwoch hat sie dann auf der afrikanischen Erde wieder Tritt gefasst . ....................................................................................................................................... Ihr könnt Euch vorstellen, dass ich trotz der Gaspedalanstrengung sehr gespannt war, was mich im Büro nach einem Monat Abwesenheit erwartet. Elvis, mein Loan Officer, hat mich wohl ein paar Mal per WhatsApp kurz informiert, dass alles im grünen Bereich sei. Aber ich habe mich natürlich schon gefragt, ob dies auch wirklich wahr ist. Das Positive vorweg: Im üblichen Morgenbriefing hat mich Elvis informiert, dass alle während meiner Abwesenheit 24 fälligen Tranchenzahlungen gemacht worden sind, von zwei Ausnahmen abgesehen; eine kleinere Ausnahme, dass die entsprechende Zahlung mit zwei Tagen Verspätung gekommen ist und dann die grosse Ausnahme, bei dem mir aber alle Alarmglocken zu läuten begonnen haben. Ihr erinnert Euch, dass ich weiter unten ein Projekt beschrieben habe, in dem wir ein unüblich grosses Darlehen an einen jungen Mangofarmer gegeben haben, um damit einen Occasions-2-Tonnen-Kleinlastwagen zu kaufen. Was ich Euch bezüglich dieses Darlehens noch nicht mitgeteilt habe, ist, dass dieser Kleinlastwagen fünf Tage vor meinem Abflug von Mitte Dezember in die Schweiz des Nachts von einem grossen Volvo-Lastwagen angefahren worden ist. Der Darlehensnehmer Brian Mumba hat uns damals informiert, dass es nur ein kleiner Schaden ist, dass der Unfall nicht seine Schuld sei und dass der Lastwagen auf Kosten des Inhabers des Volvos bald repariert sein wird. Danach könne er sofort wieder seine Mangotransporte und –verkäufe aufnehmen. .................................................................................................................................... Natürlich habe ich angenommen, dass dieser Lastwagen nach meiner Rückkehr wieder voll in Betrieb ist. Dies war aber nicht der Fall! ... und deshalb haben meine Alarmglocken zu läuten begonnen. Ich habe beschlossen, am folgenden Tag sofort an den Ort zu fahren, wo sich der Kleinlastwagen immer noch in Reparatur befindet. Dieser Fall hat eigentlich noch viel mehr Facetten, aber diese hier alle zu schildern, würde den Rahmen dieses Blogs sprengen. Am Dienstag früh bin ich also zusammen mit Elvis nach Petauke gefahren (ca. 250 östlich vom Standort unseres Büros – richtig, auch das war komisch, dass Brian Mumba sich mit seinem Lastwagen so weit von unserem Standort entfernt hat). In Petauke sind wir dann direkt zur „Garage“ gefahren (beim Wort „Garage“ stellt ihr Euch am Besten einen Hinterhof vor, wo ein paar Autowracks rumstehen). Was ich dort angetroffen habe, hat mich fast aus den Socken und dann mal etwa 15 Minuten aus der Balance geworfen (wobei aus den Socken hätte es mich gar nicht werfen können, weil ich hier nie welche trage). Wir haben nicht ein Fahrzeug mit einem kleinen Schaden angetroffen, sondern – aus meiner Schweizer Sicht – einen veritablen Totalschaden. Urteilt selbst, hier ein Bild „Vorher“ (mit dem noch glücklich grinsenden Brian Mumba in der grünen Jacke) ...und "Nachher".... Als mein Hirn nach dem ersten Schock wieder zu arbeiten begonnen hat, wurde mir klar, dass es jetzt die einzige Möglichkeit ist, diesen Lastwagen möglichst rasch wieder „strassentauglich“ (gemessen an sambischen Massstäben) repariert zurückzuerhalten. Damit könnte Brian Mumba mit diesem Wrack dann die nächsten noch rund zwölf Monate seine Früchtetransporte erledigen und sein Darlehen schlussendlich doch noch voll zurückzahlen. Als Nächstes haben wir an diesem Tag den fehlbaren Fahrer des Volvos ausfindig gemacht und ihn interviewt, mit dem Ziel, dass er uns bestätigt, dass der Fehler auf seiner Seite war. Das ist uns voll gelungen: Elvis hat ihn interviewt und ich habe den Fahrer während des Videos unbemerkt auf Video aufgenommen, auf dem er gesteht, dass er wegen „gefährlichen Fahrens“ gebüsst worden war. Dann sind wir zur Polizei gefahren und haben dort noch einen offiziellen Polizeirapport angefordert (hat natürlich was gekostet ), damit ich was Offizielles in der Hand hätte, um gegebenenfalls mit dem Eigentümer des Volvos in Lusaka zu einem späteren Zeitpunkt nachzuverhandeln. Der Eigentümer der Reparaturwerkstätte hat versprochen, dass Brian Mumba den reparierten Lastwagen am Mittwoch von kommender Woche abholen kann. Unter der Annahme, dass dies der Fall sein wird, habe ich ihn auf nächsten Donnerstag morgen mitsamt seinen drei Bürgen (jeder Darlehensnehmer muss bei Vertragsabschluss zwei oder drei Bürgen bringen) ins Büro bestellt. Bis dahin werde ich einen Refinanzierungsplan ausarbeiten, weil Brian Mumba wegen des Fahrzeugausfalls ja in Zahlungsrückstand geraten ist. Neben dem neuen Vertrag wird Brian Mumba dann ebenfalls weitere, relativ restriktive Verhaltensrichtlinien unterschreiben müssen (wie z.B. keine Nachtfahrten mehr), die sicherstellen sollen, dass er keinen, weiteren „Mist“ mehr macht. ....................................................................................................................................... Ich habe mal längere Zeit für ein japanisches Unternehmen gearbeitet und dort gelernt, dass eine Krise auch eine Chance ist. Sinnigerweise hat die japanische Schrift hat für beide Wörter nur ein Zeichen. Die obige Krise hat auch ihr Gutes in dem Sinne, dass ich jetzt die Bedingungen für mögliche weitere Darlehen für Fahrzeuge in verschiedener Hinsicht verschärft habe – unter anderem ist ab jetzt eine Vollkaskoversicherung, obwohl sehr teuer, ein zwingender Vertragsbestandteil. ....................................................................................................................................... Nun noch etwas weiteres Positives: Am 1. Februar wird der zweite Loan Officer, David Lufunte, die Arbeit aufnehmen. Hier ein Bild des „Starterkits“ das schon bereit liegt ....Das Bild ist ja sicher selbstsprechend. Dazu aber noch ein paar Zusatzbemerkungen: Die grosse schwarze Mappe ist für die Feldbesuche. Sie enthält einen kleinen Taschenrechner und ist vor allem auch gut für den Transport und das Ausfüllen der detaillierten Analyseformulare. Rechts unten im Bild erkennt ihr ein Handy in einer braunen Schutzhülle. Dies ist ein Occasions-iPhone4, das ich bei meinem letzten Schweizaufenthalt für 40 CHF auf ricardo.ch erworben habe. So ein Gerät ist ein sehr wichtiges Arbeitsinstrument für einen Loan Officer. Neben den üblichen Funktionen eines Smartphones hat es auch eine Gratis-App, das ich vom AppStore runtergeladen habe. Damit bestimmt der Loan Officer beim ersten Vorort-Besuch bei einem Kunden die genauen GPS-Koordinaten. Dies ermöglicht uns, dass wir diesen Kunden jederzeit im Busch wieder ausfindig machen können, vor allem in Fällen, wenn z.B. ein Loan Officer kündigen würde und ein anderer Kollege seine Darlehen übernehmen müsste. Schlussendlich, was nicht auf dem Bild ist, aber auch zum „Starterkit“ gehört: 1 Laptop (vor allem wichtig, um auf Excel eine dynamische Besuchsplanung zu machen), 1 Motorrad (ich habe letzten Donnerstag in Lusaka ein neues gekauft) und solide Motorradstiefel (wichtig zum Schutz der Gelenke im Falle eines Sturzes in unwegsamem Gelände). Den Laptop habe ich dank guten Geistern gratis auch gerade aus der Schweiz mitgebracht: Mein Bruder Beni hat mir so ein ausrangiertes Teil besorgt und Sulamith, der Freund meiner Tochter Julia, hat dieses dann mit Gratissoftware geladen („Ubuntu“ als Betriebssystem und „LibreOffice“ als Office-Paket). Herzlichen Dank nochmals an Euch beide! Übrigens: Sinnigerweise ist „Ubuntu“ ein Wort aus der Zulu-Sprache und heisst „Menschlichkeit“ .

21.1.18 15:13, kommentieren

Und es funktioniert!

Der Titel kommt Dir sicher bekannt vor. Tatsächlich.... es ist der Slogan der Firma „Dipl.Ing. Walter Fust“. Ich habe diesen entlehnt, weil ich glaube, jetzt langsam behaupten zu können, dass auch das ganze Konzept und die Prozesse, die ich für UMINO definiert habe, wirklich funktionieren – nicht nur die Kühlschränke von Walter Fust! Die letzte grössere Nagelprobe hat am 20. November stattgefunden. An diesem Tag bin ich „mit grossem Gwunder“ im offenem, kurzärmligen Hemd bei Sonnenschein (während es bei Euch in der Schweiz Hudelwätter war ) auf meinem 150cc Motocross-Töff ins Büro gebraust. Ab 10 Uhr ist unser Büro immer für unsere Kunden offen und an diesem Montag war es an den ersten vier Darlehensnehmern, ihre monatliche Rate abzuliefern. Zwei Arbeitstage vorher, d.h. am vorangehenden Donnerstag, habe ich diesen vier Personen gemäss unserem Konzept eine SMS geschickt, dass am Montag die erste Ratenzahlung fällig ist. Und siehe da: Alle Darlehensnehmer haben pünktlich bezahlt. Uff!! Wobei einer hat nur 2'000 Kwacha (ca. 200 CHF) anstatt 2'329.10 Kwacha bezahlt. Den Rest hat er dann drei Kalendertage später bezahlt – inklusive Strafzins von 7 Kwacha. Bei einem Zahlungsverzug - wir gewähren pro Rate maximal 30 Tage - muss der Darlehensnehmer einen Strafzins von 1% pro Kalendertag bezahlen. Dies ist bewusst sehr viel und soll dem Darlehensnehmer auch ein bisschen weh tun. 30 Tage Zahlungsverzug entsprechen einem Strafzins von 30%, was fast so viel ist, wie ein „normaler“ Jahreszins von 39.5%! .................................................................................................................................... Noch ein Nachtrag zu meinen Befindlichkeiten und meinem emotionalen Haushalt, worüber ich vornehmlich in meinem letzten Blog berichtet habe: Eine der grössten Herausforderungen in einem Land wie Sambia ist es sicher, emotional nicht in eine Negativspirale zu geraten. Ich nenne hier nur zwei Eigenschaften der Sambier, die einem manchmal auf die Palme bringen können (und von denen gibt’s hier in der Tat sehr viele....!). Eine Eigenschaft ist der Umgang mit der Wahrheit. Wenn man in der Schweiz nicht die Wahrheit sagt, so bezeichnen wir das als Lügen und beurteilen dies, meines Erachtens auch richtig, als ethisch verwerflich. Hier in Sambia gehört Lügen „zum Alltag“ und hilft den Leuten oft, besser über unangenehme oder verfahrene Situationen hinwegzukommen. Ich glaube, das Lügen ist hier in diesem Land so etwas wie ein „Überlebensprinzip“, d.h. notwendig, um das Leben überhaupt meistern zu können. Ihr könnt Euch vorstellen, dass es nicht so einfach ist, die vielen Kreditanträge mit den Antragstellern durchzuarbeiten und immer den Gedanken im Hinterkopf zu haben, ob man jetzt angelogen wird oder nicht. Die andere Eigenschaft ist das, was sie hier „Event-time“ nennen. Wenn ich eine Sitzung zum Beispiel auf 14.00 abmache, dann bin ich immer pünktlich – was bei Sambiern überhaupt nicht selbstverständlich ist. Wenn ihnen was dazwischenkommt, oder das, woran sie gerade sind, länger dauert, dann dauert das eben alles ein bisschen länger . Wie kann man nun verhindern, dass man durch diese beiden und auch andere, uns unangenehme Eigenschaften des hiesigen Volkes in den Sog einer Negativspirale gerät? Zum einen hilft sicher, dass man seinen Fokus auf die wunderbaren Qualitäten der Sambier richtet, die da unter anderem sind: Unglaubliche Freundlichkeit, Fröhlichkeit und auch Duldsamkeit. Auch hilfreich ist eine starke Toleranz und hier – das muss ich zugeben – habe ich in den nächsten Jahren sicher noch ein bisschen Arbeit an mir zu leisten. .................................................................................................................................... Ich habe in früheren Blogs schon geschrieben, dass ich mit meinem Loan Officer, Elvis Lubasi, einen absoluten Glücksgriff getan habe. Er ist ein grosses Talent und hat zusätzlich – wenn ich so sagen darf – eine in diesem Land unüblich hohe Leistungsmoral. Nur in einem Punkt ist es sicher gut, wenn er seinen Arbeitsrhythmus nach anderen Prioritäten ausrichtet, als er sich das vornehmlich gewohnt ist. Die Thematik, worum es geht, bezeichne ich als den Gegensatz „Plan versus Flow“. Die westliche Arbeitsmethodik ist es, nach einem Plan vorzugehen. Wenn ich zum Beispiel weiss, dass ich an einem bestimmten Tag sechs Tätigkeiten abgeschlossen haben möchte, dann teile ich die Zeit entsprechend ein, die ich für jede dieser Tätigkeiten aufwende. Der Sambier geht da normalerweise ganz anders vor. Er beginnt da mal mit der ersten Tätigkeit, die auch nicht unbedingt die dringendste und notwendigste sein muss, nein, einfach „weil sie gerade so daherkommt“. Und dann widmet er sich dieser Tätigkeit auch so lange, bis beispielsweise ein möglicher Darlehensnehmer in einem ersten Kontaktgespräch auch wirklich alle seine Fragen, ob relevant oder nicht, losgeworden ist. Dies nenne ich das „Flow-Prinzip“. Während Elvis auf diesem Gebiet noch Verbesserungspotential hat, habe ich das natürlich auch auf anderen Gebieten (siehe vorheriger Abschnitt ). .................................................................................................................................... Vergangene Woche hat mein zweiter Mitarbeiter, Mickson Mwape, seine Arbeit aufgenommen. Er hat die Funktion eines Assistenten. Diese Funktion ist für UMINO sehr zentral und äusserst wichtig. Der Assistent pflegt z.B. alle Datenbanken (loan master file, client master file etc.), überwacht, ob die einzelnen Ratenzahlungen termingerecht gemacht werden und nimmt diese Zahlungen auch entgegen. Mickson ist 25 Jahre alt und hat jetzt gerade die hiesige Mittelschule abgeschlossen. Ob das mit Mickson wirklich etwas wird, macht mir im Moment grosse Sorgen. Ich habe mir gedacht, wenn einer die Mittelschule abschliesst, dass er dann einen Ausbildungsstand hat, der in einer Unternehmung wie UMINO zu gebrauchen ist – natürlich nach einer angemessenen Einarbeitungszeit. Es scheint aber leider so zu sein, dass die Qualität der Mittelschule (mindestens hier auf dem Land) in Sambia sehr tief ist, viel tiefer als ich angenommen habe. Englisch, Mathematik, Excel-Kenntnisse sind bei Mickson auf einem kritisch tiefen Niveau. Ich werde ihm jetzt mal ein paar Wochen Zeit geben, sich weiter einzuarbeiten und dann schauen wir weiter... Zur Illustrierung lege ich hier einen Snapshot eines Darlehensvertrages bei, den Mickson aufgrund einer handgeschriebenen Vorlage von Elvis ausfüllen musste. Könnt ihr es lesen? .................................................................................................................................... Eine grosse Problematik der Entwicklungshilfe ist es, mit dem vielen Geld, das der „Norden“ spendet, überhaupt eine (nachhaltige) Wirkung zu erzielen. Zu diesem Thema gibt es unzählige wissenschaftliche Untersuchungen und Ansätze. Beim Erstellen des ganzen Konzepts für UMINO war mir wichtig, dass wir uns selbst messen, ob wir unsere Mission auch wirklich erfüllen, nämlich den ökonomischen Wohlstand in dieser armen Gegend ein bisschen fördern zu helfen. Wie gehen wir da vor? Jeder Darlehensnehmer wird vor dem Entscheid, das Darlehen zu geben oder nicht, vor-Ort besucht, wo wir anhand von vier ausführlichen Formularen das sogenannte Detail-Assessment machen. Das vierte Formular besteht aus zehn Fragen. Deren Beantwortung ergibt dann eine Punktzahl, die angibt, mit wieviel Prozent Wahrscheinlichkeit der entsprechende Haushalt über oder unter der für Sambia definierten Armutsgrenze liegt. Nach drei Jahren möchte diese Befragung bei allen Haushalten wiederholen, denen wir ein Darlehen gewährt haben, und damit feststellen, ob sich das Wohlstandsniveau verbessert hat. Die von UMINO angewendete Methode heisst „PPI-Index“ (Progress-out-of-poverty-Index). Sie wurde für 59 Entwicklungsländer entwickelt, unter anderem auch für Sambia, wo 20'000 Haushalte mittels dieser 10 Fragen erfasst wurden und daraus dann die Kurve der Armuts-Wahrscheinlichkeit für dieses Land abgeleitet wurde. Gemäss der entsprechenden PPI-Skala sollte ein Haushalt mindestens 80 Punkte (von maximal 100 Punkten) haben, um mit Sicherheit nicht mehr unter der Armutsgrenze zu sein. Wie sieht nun das bisherige Resultat aus unseren Assessments aus? Wir haben bisher 48 Haushalte befragt. Die durchschnittliche Punktzahl beträgt 37. Sie besagt, dass die Haushalte im Schnitt mit 60% Wahrscheinlichkeit UNTER der für Sambia definierten Armutsgrenze leben! Die tiefste Punktzahl ist 15 (92% Wahrscheinlichkeit), die höchste 79 (0.3% Wahrscheinlichkeit). Die Streubreite ist damit relativ gross, doch alle Haushalte sind mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit unter der Armutsgrenze, kein einziger Haushalt ist über dieser Grenze. .................................................................................................................................... Vergangene Woche habe ich ein Pilot-Projekt gestartet, das hoffentlich wegweisend für alle Farmer in unserem Zielgebiet werden kann! Das heutige Problem der Kleinfarmer hier ist, dass sie ihre Ernte jeweils einzeln Vor-Ort einem Händler verkaufen, der normalerweise aus Lusaka kommt und vielmals keine guten Preise bezahlt, manchmal sogar gar nicht bezahlt oder erst viel später. Ich habe jetzt ein Gruppen-Projekt gestartet, in dem ich elf Erdnussfarmer gewinnen konnte, denen ich je ein Darlehen für den Anbau der Erdnüsse gebe (Samen und Pflügen und für teilweise vergebene Fremdarbeiten für Unkraut jäten und Erdnüsse schälen). Hauptziel dieses Projekts ist es, die Stufe und damit auch die ungerechtfertigte, oftmals hohe Marge des vorerwähnten Zwischenhändlers auszuschalten. Ich habe vorgängig zu diesem Gruppenprojekt mit einem grossen Endhfändler in Lusaka einen Vertrag verhandelt, in dem er UMINO garantiert, dass er die rund 5 Tonnen Erdnüsse aus unserem Projekt zu einem Minimalpreis von 5 Kwacha (50 Rappen) pro Kilo geschälte Erdnüsse abnimmt. Sollte der Händler einen Preis von mehr als 5 Kwacha erzielen, so wird der Mehrertrag 50%/50% zwischen Farmer und Händler geteilt. Die elf Farmer liefern dann ab Mai/Juni 2018 bis spätestens 31.8.2018 ihre Ernte an UMINO ab (ich habe Vorratsräume). Im September organisiert und finanziert UMINO dann den Transport der gesamten Ernte nach Lusaka und bezahlt den Reinertrag (nach Abzug aller Kosten für UMINO inkl. des Zinsertrags) schlussendlich an die einzelnen Bauern aus. Dieses Projekt stellt mich total auf. Ich hoffe, es wird ein Erfolg und vor allem, dass es dann für die Saison 2018/2019 die erhoffte Signalwirkung bei vielen anderen Bauern entfaltet!

2.12.17 19:32, kommentieren