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Start der Mikrofinanz-Organisation "Umino"

Seit meinem letzten Blog-Eintrag ist eine ziemlich lange Zeit vergangen. Und in dieser Zeit ist zum guten Glück auch ziemlich viel gelaufen – und deshalb ist dieses Mal auch ein bisschen mehr Text zusammengekommen. Ich will mich bessern und das nächste Mal wieder rascher einen Blog abschicken :-) .................................................................................................................................... Seit dem letzten Blog habe ich das Detailkonzept fertiggestellt, das unter anderem den genauen Prozessablauf und alle Formulare zur Beurteilung eines Darlehensantrages umfasst. Ich habe Musterarbeitsverträge, Stellenbeschreibungen und Aktivitätslisten für die verschiedenen Funktionen erstellt. Das Buchhaltungssystem ist jetzt eingerichtet und das Design der Datenbanken erstellt, die notwendig sind, um das Geschäft tagesaktuell zu managen. Die wichtigste Datenbank enthält die Stamm- und Bewegungsdaten für die einzelnen Darlehen. Mittels dieser Datenbank haben wir zum Beispiel die tagesaktuelle Übersicht, welche Zahlungstranchen von welchen Darlehen an einem bestimmten Tag fällig sind, wie hoch der aktuelle Gesamtbestand an Darlehen ist, wieviel Darlehen an Frauen, wieviel an Männer, wieviel Darlehen an Farmer und wieviel an Kleinbetriebe vergeben wurden, natürlich auch welche Darlehen „notleidend“ sind und wieviel der Zinsertrag sowie die Strafzinsen bei verspäteten Zahlungen in einer bestimmten Zeitperiode betragen. ................................................................................................................................... Vor einiger Zeit habe ich in Lusaka auch einen Safe gekauft, der in einem abgeschlossenen und von aussen nicht einsehbarem Raum mit Betondübeln an der Wand befestigt ist. Das Internet ist eingerichtet und ein Drucker im lokalen Netzwerk installiert. ................................................................................................................................... Vor rund einem Monat wurde die Firma in drei bis vier Anläufen (!) im Handelsregister eingetragen. Der Name der Firma ist „Umino“. Dies ist eine Abkürzung und setzt sich aus den drei Wörtern „Umoyo wa bwino“ der lokalen Sprache Nyanja zusammen. Damit der Firmenname nicht so sperrig und für Fremde auch auszusprechen ist, habe ich aus den beiden ersten Buchstaben „Um...“ und den letzten drei Buchstaben „...ino“ einen Kurznamen kreiert. „Umoyo wa bwino“ heisst auf Englisch „Better Life“ und widerspiegelt den Zweck der neuen Mikrofinanzorganisation, die helfen will, den Menschen in einem der ärmsten Teile dieses armen Landes ein besseres Leben zu ermöglichen. ................................................................................................................................... Unterdessen bin ich auch extrem stolzer Besitzer eines Bankkontos bei der „First National Bank“ (FNB) zu dem ich elektronisch Zugriff habe. Auch dazu hat es mindestens vier Anläufe sowie das Ausfüllen und Unterschreiben von 41 Formularen gebraucht (kein Witz, ich habe sie gezählt!). Ich habe mir bei den Formularen auch sehr viel Mühe gegeben und habe von der Bankangestellten Cathy Chime (die ich unterdessen sehr gut kenne) prompt auch sehr viel Lob erhalten, dass es ihr noch nie passiert sei, dass jemand alle diese Formulare in nur vier Anläufen fertiggestellt hat. ................................................................................................................................... Ich habe vier Banken genauer angeschaut, bevor ich mich dazu entschieden habe, ein Konto bei der FNB einzurichten. Mein Entscheid zugunsten der FNB war vor allem wegen einer genialen Funktionalität des E-Banking Systems namens „eWallet“ gefallen. „eWallet“ erlaubt mir, Banküberweisungen auf irgendein Handy in Sambia vorzunehmen. Mittels des Betrages und des zugehörigen Codes, die der Handybesitzer erhält, kann dieser an irgendeinem Bankomaten von FNB Bargeld abheben oder sein Guthaben teilweise oder auch vollständig einem anderen Handybesitzer überweisen. Und das „Schönste“ an dieser ganzen Funktionalität ist, dass der Handybesitzer kein eigenes Bankkonto haben muss! Also absolut ideal für die Leute in unserem Zielmarkt, dem Rufunsa-Distrikt, wo fast niemand ein Bankkonto hat. Mit dieser Funktionalität kann ich unter anderem unseren Darlehensnehmern den Darlehensbetrag elektronisch überweisen, anstatt dass ich diesen immer physisch überweisen muss. ................................................................................................................................... Für Umino haben wir auch eine Nummer beim Steueramt sowie eine Nummer bei der staatlichen Pensionskasse registriert. Über das Internetportal der Steuerbehörde werde ich in Zukunft periodisch die Quellensteuern der Mitarbeitersaläre überweisen. Auch könnte ich über das Portal die jährlich Einkommenssteuer bezahlen. Aber da wir als Non-Profit Organisation aufgestellt sind, werde ich dies vermeiden können (hoffentlich ). Analog werde ich über das Portal der staatlichen Pensionskasse periodisch die auf den Salären fälligen Pensionsbeiträge einzahlen. ................................................................................................................................... Per 1. August habe ich meinen ersten Mitarbeiter, Mr. Elvis Lubasi, eingestellt, ein sogenannter „Loan Officer“. Der „Loan Officer“ beurteilt Darlehensanträge und begleitet diese dann auch mit regelmässigen Vor-Ort-Besuchen während der Darlehenslaufzeit. Damit die Firma als Ganzes funktioniert, nehme ich mir die Freiheit, im Moment verschiedene Funktionen auszuüben. Ich bin CEO, CFO, Assistent, Compliance Officer, Loan Officer (wie Mr. Lubasi), Purchasing Officer und derjenige der ab und zu die Schrauben der herausgerissenen Türfallen in unserem neuen Bürogebäude mit Zweikomponentenkleber wieder in die Türe klebt. ................................................................................................................................... Der Loan Officer, Mr. Lubasi, ist mit einem 150ccm Offroad-Motorrad ausgerüstet. Damit besucht er die Darlehensnehmer. Da die Strassen hier wirklich sehr holprig sind, muss es so ein Motorrad sein. Auch ich habe jetzt so ein Motorrad, weil ich ja auch Loan Officer bin. Wenn ich über Weihnachten/Neujahr wieder in der Schweiz bin, werde ich über Amazon auch ein paar GPS-Geräte besorgen (diese erhält man hier in Sambia nicht). Mittels dieses Gerätes werden die genauen Koordinaten des Wohnortes oder der Geschäftslokalität des Darlehensnehmer „irgendwo im Busch draussen“ aufgenommen. Dies ist sicher notwendig, weil ich plane, im Jahr 3 oder 4 gegen 1'000 aktive Darlehen laufen zu haben. Wenn wir nicht mit GPS arbeiten würden, so könnte das buchstäblich in die berühmte Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen ausarten. ................................................................................................................................... Gestern Freitag, 11. August, habe ich jetzt endlich den Kick-off-Anlass vor dem neuen Bürogebäude abhalten können! Eingeladen habe ich rund 100 Personen, darunter die District Commissioner (=die Vertreterin des Staatspräsidenten und damit höchste Regierungsvertreterin im Rufunsa-Distrikt), die beiden Häuptlingsfrauen (Chieftainesses) der beiden Stammesgebiete, wo wir mit unserem Angebot beginnen und 66 Dorfvorsteher und –vorsteherinnen. Nach einem Anfangsgebet und der Nationalhymne habe ich den Teilnehmern dann in rund 30 Minuten das ganze Konzept von Umino auf möglichst einfache Weise erklärt. Danach gab es je eine Ansprache der Stellvertreterin von einer der beiden Chieftainesses und eine Ansprache von der District Commissioner. Beide haben das ganze Konzept von Umino sehr unterstützt (siehe vor allem auch Foto der District Commissioner weiter unten mit dem entsprechenden Zusatzkommentar :-)). Gegen Ende des Anlasses wurde nochmals die Nationalhymne abgesungen und das Ganze dann mit einem Gebet mit geschlossenen Augen in lokaler Sprache abgerundet. Nach dem offiziellen Teil hat dann jeder Teilnehmer noch ein Lunchpaket mit je einem Softdrink erhalten, damit er sich gestärkt auf den Heimweg begeben und seine Leute informieren konnte. Ab nächstem Montag können dann Darlehensgesuche eingereicht werden. Ich bin äusserst gespannt. Wieviel Leute werden da vor der Türe stehen – 5 oder 100 Personen? Keine Ahnung. Die Auflösung dieses Rätsels dann beim nächsten Blog. ..................................................................................................................................... So, jetzt ein paar Föteli von diesem Anlass: ................................................................................................................................... In der Mitte mit Perücke (!) die District Comissioner, links daneben (fast ein bisschen verdeckt) leicht lächelnd die Chieftainess von Mpanshya und rechts vorne die Chieftainess von Shikabeta, ernst dreinschauend mit einem kunstvollen Kopfschmuck ................................................................................................................................... Eine Foto während meiner rund 30-minütigen Präsentation, auf dem Bild rechts von mir der Übersetzer und gleichzeitige „Master of Ceremony“, Mr. Nelson Mumba. ................................................................................................................................... Rege Fragerunde nach meiner Präsentation. Auf dem Bild sieht man auch gut den Flyer, den alle in den Händen halten und den ich während der Präsentation verteilt habe. Auf dem Flyer steht alles Wissenswerte, wie ein Darlehensantrag zu stellen ist. ................................................................................................................................... Die Stellvetreterin der Chieftainess von Mpanshya bei Ihrer Ansprache. Im Hintergrund sieht man auf diesem Bild auch das Firmenschild „Umino“ gut. ................................................................................................................................... Die feurige Ansprache der District Commissioner (im Hintergrund ihr Weibel). An dieser Stelle hat sie sich direkt an alle Dorftvertreter gewendet und Ihnen ziemlich wortwörtlich Folgendes gesagt: „Wenn Ihr die Darlehen nicht pünktlich und vollständig an Umino zurückbezahlt, dann komme ich mit meiner Polizeitruppe, verhafte Euch und stecke Euch ins Gefängnis!“ ................................................................................................................................... Drei ein bisschen erschöpfte Dorfvorsteherinnen, die sich nach dem ganzen Prozedere mit dem Lunchpaket stärken, bevor es wieder per Velo oder zu Fuss zurück in ihr Dorf geht. Wer weiss, vielleicht ist der Weg ziemlich lang ... ................................................................................................................................... Freundliches Erstgespräch mit zwei schon sehr interessierten Bauern, die je ein Darlehen für Ihre Farm aufnehmen wollen.

1 Kommentar 12.8.17 18:20, kommentieren

Mikrofinanz und organische Landwirtschaft

Seit meinem letzten Blog habe ich etwa 15 Vorgespräche mit möglichen Kleinkreditnehmern geführt. Vorgespräche deshalb, weil ich einerseits die künftige Mikrofinanz-Firma noch nicht im Handelsregister eingetragen habe, anderseits wollte ich noch im Entwurfsstadium möglichst viele Erfahrungen sammeln, welche detaillierten Fragen ich dann in der Beurteilungsphase für einen Kleinkredit stellen muss. Ich meine, dass ich nach diesen Vorgesprächen jetzt einen Formularsatz erstellt habe, der es ermöglicht, einen Kreditnehmer als Person und seine Geschäftsidee sehr genau zu beurteilen. Zu der Zeit, als ich diese Vorgespräche geführt habe, sind auch zwei sehr gute Freunde – Peter v/o Gfitzt und Karin – für eine Woche bei uns gewesen und sie konnten „live“ bei zwei solcher Gespräche teilnehmen. Diese Gespräche waren unglaublich interessant. Es geht ja nicht nur darum, eine Geschäftsidee zu beurteilen und auf seine Erfolgschancen zu prüfen, sondern vor allem auch darum, die Person des möglichen Kreditnehmers auf seine Verlässlichkeit und Kreditwürdigkeit zu prüfen. Dazu muss man tief ins Persönliche einsteigen. Bist Du verheiratet? Wie viele Kinder hast Du? Was sind Deine monatlichen Lebenshaltungskosten? ................................................................................................................................... Barbara, eine mögliche Kreditnehmerin ist 26 jährig. Sie hat zwei Kinder (6- und 4-jährig), ist aber nicht verheiratet. Barbara hat die Schule im 2009 abgeschlossen, seither aber nie einen Job gehabt und wohnt deshalb immer noch bei ihren Eltern. Bei einem solchen Lebensentwurf schluckt man schon ein- bis zweimal leer. Ihre Geschäftsidee ist, mit zwei ihrer Freunde (Martha, 25, und Evans, 20), jeweils 100 bis 200 frisch ausgebrütete Kücken grosszuziehen und diese dann direkt an Endabnehmer in Mpanshya zu verkaufen. Eine andere Kreditnehmerin, Margret, will das Essensangebot ihres „Restaurants“ ausbauen. Heute verkauft sie nur ein Menu: Nhsima (Maisbrei, das Nationalgericht der Sambier) und gekochtes Huhn mit Gemüse. In Zukunft will sie auch Nshima mit anderem Fleisch oder Fisch anbieten. Sie verdient heute mit dem Restaurant rund 12'000 Kwacha pro Monat, das sind etwa 1'200 Franken. Bei dieser Zahl hat es mich fast vom Stuhl gehauen, weil das Durchschnittseinkommen in der Gegend hier schätzungsweise zehnmal tiefer liegt, also bei rund 120 Franken pro Monat. Ich habe Margret dann gesagt, dass sie wohl sehr „reich“ sei. Sie hat dann aber zu meiner grossen Überraschung gesagt, dass dieses Geld für ihre Familie bei weitem nicht reiche. Als wir dann weiter in ihre Familiensituation und ihre monatlichen Lebenshaltungskosten eingetaucht sind, ist folgendes Bild rausgekommen: Barbara ist nicht verheiratet, hat aber vier eigene Kinder, die zum Teil in teuren Ganztagesschulen sind. Das weitere Gespräch hat dann weiter ergeben, dass sie noch drei weitere Kinder bei sich hat, für die sie sorgt. Diese drei Kinder sind von ihren beiden jüngeren Schwestern, die ebenfalls nicht verheiratet sind, aber nicht für ihre eigenen Kinder sorgen können. Auch diese Lebenssituation lässt einem dann ein bisschen nachdenklich zurück. ................................................................................................................................... Hier noch eine Auswahl von weiteren Geschäftsideen aus meinen Vorgesprächen: Ausbau des bestehenden Malergeschäfts; Kauf von zwei Ochsen, um Felder zu pflügen und lokale Transporte zu machen; Ausbau einer Metallwerkstatt; Kauf einer Gebrauchtkamera, um Fotos bei Anlässen zu machen und diese dann den Teilnehmern zu verkaufen; Eröffnen eines Lebensmittelladens mit Angebot von Frischfleisch und –fisch; Wiederherstellen von gekauften Autowracks; Reparatur einer Maismühle. ................................................................................................................................... Die künftige Mikrofinanzorganisation wird übrigens „Umino“ heissen. Umino ist ein Kunstwort und setzt sich aus den zwei ersten und den drei letzten Buchstaben der drei Wörter „Umoyo mwa bwino“ zusammen. Diese drei Wörter der lokalen Sprache Chinyanja heissen auf Deutsch „besseres Leben“ .................................................................................................................................... Die letzten zwei Wochen habe ich noch etwas ganz Anderes gemacht, als mich den Vorbereitungen für Umino zu widmen: Ich war als Knecht auf einer organischen Kleinfarm, die etwa 250 Kilometer südwestlich von Mpanshya liegt. Was hat mich dazu motiviert? Die Idee von unzähligen, organischen Kleinfarmen im südlichen Afrika fasziniert mich ungemein – ja, ich glaube, dass dies der einzige Weg dazu ist, dass sich die sehr rasch wachsende Bevölkerung auf diese Art selbst ernähren kann. Dies einerseits ohne von teurem Dünger und chemischen Einsatzmitteln aus dem „Norden“ abhängig zu sein, anderseits aber vor allem auch, um den heute zunehmend unfruchtbareren Boden mit natürlichem Grün- und Viehdünger wieder als fruchtbaren Wasserspeicher zu regenerieren. Dies ist neben Umino das zweite Projekt, an dem ich mit drei Partnern arbeite (www.h-p-m-c.com). Nachfolgend ein paar Fotos von meinem Aufenthalt auf der „old orchard farm“. ................................................................................................................................... Hier ein Bild der Wohnstube auf der Farm... Unser tägliches "Brot" - Nshima mit Broccoli-Blättern...Aufbau eines Komposthaufens aus Kuhdung und einer Lage Asche...Muttersau mit ihren Schweinchen im Pig-Tractor (dieser wird täglich verschoben und die Schweine essen dann die Erntereste)...Die Werkzeuge des Bauers - anstelle eines Traktors..."Mukoio" - selbstgebrautes Bier aus Wurzeln, Mais, Wasser, Zucker - lecker!

2 Kommentare 12.8.17 17:57, kommentieren