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Autsch ... Trockenperiode!

In der Zeit nach Weihnachten bis Anfang Februar ist in Mpanshya fast kein Regentropfen gefallen (ca. 40 Tage Trockenheit)! Die normale Regenperiode dauert jeweils ab Mitte November bis in den April hinein. Die Farmer beginnen demnach, ihre Felder ab Mitte November zu bepflanzen – so auch in der vergangenen Regenperiode. Hauptsächlich angepflanzt wird Mais, der aber nach 30 Tagen ohne Wasser langsam Schaden nimmt. Wir haben deshalb ab Mitte März begonnen, bei unseren rund 50 Farmern, denen wir Darlehen gegeben haben, ein sogenanntes «Crop Performance Assessment» zu machen. Rund zwei Drittel aller Darlehen haben wir bisher mittels eines dreiseitigen Fragebogens abgeklappert mit dem Resultat, dass aufgrund der Schätzungsangaben der Farmer nur etwa ein Drittel in der Lage sein wird, das Darlehen aus dem geringeren Ernteertrag zurückzuzahlen. Was nun?! Ich habe in meinem Kopf die verschiedensten Szenarien entworfen und die meisten dann wieder in die Welt der Gedanken entlassen. Während des Morgenjoggings hat sich dann aber glücklicherweise langsam ein mir tauglich erscheinendes Konzept rausgebildet. Dieses habe ich zuerst einige Male an meinen Loan Officers getestet, wieder leicht abgeändert und mit Furrers dann im regelmässig stattfindenden Credit Committee abgerundet. Diese Woche hat auch die «Second Mile Foundation», von der aus der Schweiz alle finanziellen Mittel für UMINO kommen, ihr grünes Licht zum Konzept gegeben. Hier unser Entscheid: Trotz der Trockenschäden wollen wir, dass der Farmer in erster Priorität das Darlehen inklusive Zins entweder aus dem Ernteertrag oder aus sonstigem Einkommen zurückbezahlt. Jeder Farmer hat in dieser Gegen auch andere Einkommensquellen, weil das Farmeinkommen meistens nicht ausreicht. Sollte der Loan Officer bei der Besprechung mit dem Farmer zum Schluss kommen, dass er die finanziellen Mittel nicht hat, das gesamte Darlehen innerhalb der festgesetzten Frist voll zurückzubezahlen, so sind wir bereit, ihm zwölf Monate Erstreckung zu gewähren. Auf dem nicht bezahlten Restbetrag muss er dann nur einen Jahreszins von 20% anstatt von 39.5% bezahlen (natürlich gelten die vorherigen Sätze auch für die weibliche Form 😜 ). Jetzt fragt Ihr Euch wahrscheinlich, wieso wir uns zu diesem doch recht harten Konzept entschieden haben. Der nicht alleinige aber wichtigste Grund ist, dass das Ernterisiko immer in der Verantwortung des Farmers bleiben und nicht auf die finanzierende Gesellschaft abgewälzt werden soll. Um aber in der kommenden Regenperiode das Ausfallrisiko zu minimieren, haben wir uns zu einer Reihe von verschärften Beurteilungskriterien entschieden, um nur noch Darlehensanträge passieren zu lassen, die über eine höhere Sicherheitsmarge verfügen als in der vergangenen Saison. Auch werden wir auf den Farmdarlehen für die nächste Regenperiode neu eine Versicherungskomponente in der Höhe eines Jahreszinses von 11.5% aufschlagen. Damit käme der Jahreszins für ein Darlehen, das einen nachhaltig organischen Ansatz verfolgt, neu auf 51.0% anstatt bisher 39.5% zu stehen und für die anderen konventionellen Farmdarlehen auf neu 56.0% anstatt bisher 44.5%. Über die Unterscheidung des Zinses in nachhaltig organische und konventionelle Farmprojekte habe ich in einem meiner letzten Blogs geschrieben. Die künftig eingenommene Versicherungskomponente von 11.5% werden wir natürlich nicht als Zinsertrag verbuchen. Wir werden in der Bilanz erfolgsneutral ein Reservekonto aufbauen, aus dem wir in der Zukunft dann Verluste aus Farmdarlehen finanzieren würden. Sollte es sich erweisen, dass diese Verluste tiefer sind als im Moment erwartet, so werde ich natürlich sehr glücklich sein, diesen Zinssatz wieder zu senken. .................................................................................................................................... Apropos Differenzierung des Zinssatzes für nachhaltig organische und andere Farmprojekte: Offensichtlich funktioniert der Anreiz eines fünf Prozentpunkte tieferen Zinssatzes für nachhaltige Landwirtschaft! Letzthin kam ein Farmer zu uns mit einem Antrag, Mais in Monokultur anzubauen. Wir haben ihm mitgeteilt, dass wir ihm gerne ein entsprechendes Darlehen zu 44.5% gewähren würden, dass wir ihm aber auch ein Darlehen zu 39.5% geben könnten, wenn er sich zu einem Fruchtfolge-Ansatz verpflichtet. Mittels dieses Ansatzes wird der Boden weniger ausgelaugt und braucht über die Zeit dann auch immer weniger Dünger. Ihr glaubt gar nicht, wie schnell er seinen Antrag umgeschrieben hatte! Toll nicht? Natürlich werden wir dann überprüfen, ob er den entsprechenden Ansatz so realisiert hat ... und haben ihn das auch wissen lassen 😀. Noch zur Erklärung, wieso wir kürzlich ein Farmdarlehen für Mais gewährt haben, obwohl die Regenzeit ja jetzt vorbei ist: Der entsprechende Farmer hat sein Land in der Nähe eines ganzjährig fliessenden Flusses und ist daher nicht auf Regenfälle angewiesen. .................................................................................................................................... Wenn wir schon bei einem höheren Zinssatz sind, hier gerade noch ein weiterer Spezialfall. Etwa ein Fünftel aller Darlehen haben wir an sogenannte «Grocery Stores» (= Lädelis für den täglichen Bedarf) gegeben. Mit unseren Darlehen geht der Ladenbesitzer in Lusaka die entsprechenden Artikel einkaufen und verkauft diese hier Vor-Ort dann wieder zu einem etliches höheren Preis. Für die Betreiber solcher Läden ist das entsprechende Einkommen sehr leicht und relativ risikolos zu erzielen und die Gewinnmargen sind immens (zwischen 50% und 100%!). Anderseits tragen diese Läden nicht viel zur Steigerung des Wohlstands der hiesigen Bevölkerung bei, sondern ziehen vornehmlich den lieben Mitbewohnern das Geld aus deren Sack. Aus diesen Gründen habe ich vor zwei Wochen entschieden, den Jahreszins für «Grocery Stores» neu auf 59.5% (anstatt des Normalzinses von 39.5%). Ihr denkt jetzt, so ein Wucher! Weit gefehlt, damit bleibt immer noch sehr, sehr viel Geld in der Tasche des Ladenbesitzers zurück. Dazu eine einfache Rechnung: Wir gewähren einem Ladenbesitzer ein Darlehen über 3 Monate von 3'000 Kwacha. Darauf bezahlt er uns einen Zins von knapp 15% (=ein Viertel eines Jahreszinses von 59.5%). Normalerweise schlägt der Ladenbesitzer die gekaufte Ware einmal im Monat um, also realisiert er 3 Mal (=3 Monate) einen Gewinn von zwischen 50% und 100%, macht also einen Gesamtgewinn von zwischen 150% und 300%. Da mutet unsere Abschöpfung von 15% Zins doch recht bescheiden an, oder? .................................................................................................................................... Zum Schluss (fast wie üblich) noch eine Erfolgsmeldung, die ich hier einfach noch loswerden muss. Kürzlich hat mir Mickson, der Assistent, gesagt, dass am kommenden Tag ganze 18 Zahlungen fällig sind. Normalerweise erhalten wir im Schnitt 3-4 Zahlungen pro Tag. Wir waren nun alle sehr gespannt, wie dieses grosse Fälligkeitsdatum in die noch junge Geschichte von UMINO eingehen wird! Um es kurz zu machen: 17 Zahlungen wurden termingerecht gemacht und die eine, versäumte Zahlung wurde am folgenden Tag noch nachgereicht – selbstverständlich unter der üblichen Aufrechnung von 1% Strafzins (Strafzins = 1% Zins pro Kalendertag bei einer verspäteten Zahlung) 🤙😜.

1.5.18 16:36, kommentieren

Hexerei

Heute schreibe ich mal nicht über UMINO sondern über was ganz Anderes. Aus verständlichen Gründen gibt’s zu diesem Thema auch keine Föteli 😃. Vergangene Woche hat es ich ergeben, dass mir Elvis in meinem Büro über eine Stunde lang über die Hintergründe des Todes seines Vaters und die Erbfolge erzählt hat. Ich habe mir sehr gerne dafür Zeit genommen. Ich glaube, das ist überhaupt nicht selbstverständlich, dass einem ein Sambier so offen an solch intimsten Themen teilhaben lässt, vor allem wenn es dabei noch um das Thema der Hexerei (witchcraft) geht. Die Sambier wissen ja, dass wir Weissen (die Muzungus, wie wir hier genannt werden) nicht eigentlich an Hexerei glauben, das haben wir ja schon ein paar Jahrhunderte hinter uns. Deshalb sind sie sehr zurückhaltend, wenn es um dieses Thema geht. Ich habe mich bei Elvis auf jeden Fall sehr für sein Vertrauen bedankt, dass er mir das alles erzählt hat. .................................................................................................................................... Im 2016 hat Elvis’ Vater (Mr. Lubasi) für ein politisches Amt in der Süd-Provinz von Sambia kandidiert. Er hatte zwei Gegenkandidaten, die ihn unter Androhung seines Lebens gedrängt haben, seine Kandidatur niederzulegen. Die Drohung war, ihn mittels Hexerei um die Ecke zu bringen. Mr. Lubasi hat sich nicht einschüchtern lassen und dann am 8. August 2016 auch prompt die Wahl gewonnen. Obwohl bisher kerngesund, bekam er nach etwa zwei Tagen starke Magenprobleme und ist dann noch vor Monatsfrist tatsächlich gestorben. Elvis hatte schon damals eine enge Beziehung zu einem Pastor, den er als Propheten bezeichnet. Dieser Pastor hat ihm dann eröffnet, dass die beiden Gegenkandidaten aufgrund der negativen Energien, die sie mittels deren Verschulden am Tod von Mr. Lubasi geweckt hatten, selbst auch sehr bald sterben würden. Der erste der beiden ist dann kurz nach dem Tod von Mr. Lubasi auch wegen einer Darmkrankheit in ein Spital eingeliefert worden. Er hat dann dieses nach einer Woche schon wieder verlassen, aber nicht als geheilter Mann, sondern in einem Sarg. Der zweite Gegenkandidat hat dann im September 2016 das Amt angetreten, in das eigentlich Mr. Lubasi gewählt worden war. Offenbar passierte dann auch bei ihm sehr Merkwürdiges. Immer wenn er das Büro betreten hatte, ist er von Halluzinationen heimgesucht worden. Er hat unter anderem steif und fest behauptet, dass er im Büro jeweils Telefonanrufe des verstorbenen Mr. Lubasi erhalten hat. Innerhalb von drei Monaten seit Amtsantritt hat dieser Mann dann offensichtlich auch von der weltlichen Bühne abtreten müssen. Die genaueren Umstände hat mir Elvis nicht geschildert und ich habe auch nicht nachgefragt. ..................................................................................................................................... Nach dem Tod des Vaters ging es dann natürlich auch darum, das Nachlassvermögen in der Familie aufzuteilen. Für lokale Verhältnisse war Mr. Lubasi ziemlich vermögend. Mit der damaligen Pensionierung als Staatsbeamter wurde ihm die volle Pension von 612'000 Kwacha ausbezahlt (das sind gut 60'000 CHF). Das ist in Sambia so üblich, dass die Pension in einer Einmalzahlung und nicht als wiederkehrende Rente ausbezahlt wird. Jetzt passierte das, was in sambischen Familien leider oft passiert, wenn jemand stirbt. Einzelne Familienmitglieder reissen sich den ganzen Nachlass unter den Nagel und lassen die anderen dann oftmals buchstäblich «im Regen» stehen. In Elvis’ Fall hat sich die Stiefmutter des ganzen Vermögens bemächtigt. In unserer Kultur ist dies eine untragbare Rechtsverletzung, die durch die Benachteiligten rechtlich sofort angefochten würde. Aber nicht so Elvis. Ich habe ihn dann gefragt, wieso er keine Rechtsschritte unternehme. Er hat dann geantwortet, dass er einerseits die Harmonie der Familie nicht weiter beeinträchtigen möchte (?!), und vor allem auch, dass er Angst davor hat, verhext zu werden. ....................................................................................................................................... Wow, starker Tobak, nicht!! Dieses Gespräch hat in mir dann noch länger nachgeklungen. Das Leben der Leute hier Sambia erscheint mir um so viel anforderungsreicher als es für uns in Europa in unserer rationalen Welt, der Diesseits verhafteten Kultur und der grossen Rechtssicherheit ist. Abgesehen davon, dass etliche Menschen hier auf dem Land ausserhalb der Regenzeit einen täglichen Kampf ums Überleben ausfechten, müssen sie auch in verschiedenen Welten und Realitäten leben. Das «Mein» und «Dein» wird in Sambia ganz anders verstanden als bei uns und wenn man bestohlen wird, dann darf man sich nicht einmal wehren. ..................................................................................................................................... Übrigens: Der obengenannte Pastor hat Elvis im 2016 auch prophezeit, dass er im Sommer 2017 wieder ein Jobangebot bekommen sollte, für einen Job als Loan Officer im Osten des Landes. Ich habe ihm im Juni 2017 eine Offerte gemacht und am 1. August hat er bei UMINO im östlichen Teil das Landes zu arbeiten begonnen 😇.

1 Kommentar 14.4.18 10:19, kommentieren